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Übersicht | Fahrmaschinen
Vierrädrige Fahrmaschinen

1812 beginnt eine Serie von fünf schlechten Ernten, der Hafer für die Pferde wird teuer - kann man für den Verkehr nicht ohne sie auskommen? Karl Drais will dieses Problem lösen und verbessert die bis dato bekannten Gartenphaetons durch radikale Vereinfachung. Diese kleinen vierrädrigen Fahrzeuge in Schlossgärten werden von einem Lakaien durch Treten von Hebeln über einen Ratschenmechanismus angetrieben, der Besitzer sitzt vorn und lenkt. Vorteil: Keine Pferdeäpfel auf den hochherrschaftlichen Gartenwegen! Nachteil: Viel Reibungsverluste.

Bild: Fahrmaschine Eins
Fahrmaschine Eins
Drais' Fahrmaschine Eins hat eine Tretmühle fest mit der Hinterradwelle verbunden, um Reibungsverluste durch Kraftübertragung zu minimieren. Allerdings muss der tretende Insasse (auf einem Schwebesattel sitzend) nach hinten blicken. Der nach vorn blickende und lenkende Insasse hat die vertikalen Lenkstangen in beiden Händen. Bei Bedarf können diese abgeklappt werden und dienen dann als Deichseln für ein vorgespanntes Pferd. Drais beantragte ein Privileg auf die Konstruktion, doch als Fürstendiener durfte er gar keine kommerzielle Nebentätigkeit anfangen. Denn Privileg bedeutete die Gnade, als einziger etwas Neues im Fürstentum verkaufen zu dürfen. Folglich plädieren die Gutachter dagegen.

Drais hat die Fahrmaschine in Karlsruhe dem Zaren Alexander vorgeführt, der ihm riet, sie beim Wiener Kongress zu zeigen. Drais baute Fahrmaschine Zwei mit in die Hinterradwelle geschmiedeten Kurbeln. Nun konnte auch der tretende Insasse nach vorne blicken. Vermutlich legte er die 1600 km Rundreise nach Wien 1814 auf der Donau (Hinweg) und auf dem Rückweg mit vorgespanntem Pferd zurück. Doch die um Napoleons Erbe schachernden Fürsten hatten ihre Feldzeugmeister nicht dabei, die Interesse an der Fahrmaschine haben konnten.


© Sören Fink mit wissenschaftlicher Unterstützung von Prof. Dr. H. E. Lessing